André Butzer

André Butzer, Friedens-Siemens I, 2000, Öl auf Leinwand, 230x165cm

Das großformatige Gemälde Friedens-Siemens I ist der Ausgangspunkt für die zwischen 2000 und 2002 entstandene Folge der Friedens-Siemense. Das Bild zeigt einen für Butzer typischen abstrakten Aufbau und reine, nicht miteinander vermischte Farbtöne. Wirkt es auf den ersten Blick zwar ungeordnet, gar chaotisch, kann der Betrachter dennoch bekannte Formen ausmachen, die an Fabrikmaschinen erinnern. Seine Kunst ist durch alte Sciene-Fiction-Utopien, Comics von Walt Disney – etwa Donald Duck – und den Freizeitparks Disney World inspiriert. Deren Einfluss zeigt sich durch eine fremdartige Gestalt mit großen Augen und rundem Kopf im oberen linken Bildteil. Ihre Arme und Beine laufen in bunten, teilweise beschrifteten Tentakeln aus. Die über das Bild verstreute Schrift wird vom Künstler als wichtiges Stilmittel eingesetzt, wobei vor allem Firmen- und Produktnamen dominieren und den technischen Charakter des Werkes verstärken. Selbst nicht in diesem Kontext stehende Begriffe wie „Hund“ oder „Liebe“ bekommen so den Hauch von etwas Kommerziellem und Produktartigem. Dem Betrachter wird durch diese Elemente ein sciencefictionartiger Eindruck vermittelt.

Der 1973 in Stuttgart geborene Künstler André Butzer gründet bereits 1996 zusammen mit anderen Künstlern in Hamburg die Akademie Isotrop, um sich – unabhängig von äußeren Einflüssen – sowohl der eigenen künstlerischen Ausbildung als auch der anderer widmen zu können. Seit 2001 lebt und arbeitet er bei Berlin. Schon früh gelang es Butzer, sich bei Kunstsammlern einen Namen zu machen und erste Erfolge zu erzielen. Butzer ist Gründer mehrer fiktiver Firmen und Organisationen wie der Friedens-Siemense Inc., die er selbst als „Hilskonstrukte“ bezeichnet. Sie sind als erfundene Auftraggeber zu lesen, die quasi erst den Anstoß zum Malen geben. Die unter diesem Gesichtspunkt als „Auftragsarbeit“ entstandenen Bilder, können durchaus mit der Historienmalerei vergangener Zeit verglichen werden: sie haben eine bereits im Vorfeld festgelegte politische Aussage. In Butzers Fall wird diese durch die Agenda der Scheinfirmen bestimmt, deren Inhalt sich in der Regel im Namen widerspiegelt: z.B. Frieden oder Traumforschung.

Ole Gerlach

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