Cornelius Völker, Äpfel

Cornelius Völker, Äpfel, 4 Bilder, 2002, Öl auf Leinwand, je 30x40cm

Der Apfel ist eines der ältesten und am häufigsten verwendeten Motive in der abendländischen Kunst. Im Mittelalter noch als Symbol für den Sündenfall in Szene gesetzt, entwickelte er sich mit der Renaissance zu einem Standardmotiv der Stillebenmalerei und blieb es für die folgenden Jahrhunderte. Gerade in den klassischen Darstellungen liegt der Apfel häufig auf einem Tuch oder auf der glatten, glänzenden Holzoberfläche eines Tisches. Eine in vergleichbaren Brauntönen gehaltene Fläche bildet zwar auch den Untergrund für die Äpfel in Cornelius Völkers kleinformatigen Bildern, die Frucht selbst entzieht sich jedoch der traditionellen Darstellung. Wird der Apfel dort saftig und rund, mit glatt polierter Schale gemalt wird – allerhöchstens noch sauber angeschnitten, um zu zeigen, dass der Künstler unterschiedliche Oberflächen und Stofflichkeiten wiedergeben kann, sind sie hier abgenagt und halb aufgegessen. Keine appetitanregenden Früchte, die sorgsam für ein Stillleben ausgewählt wurden, sind hier zu sehen, nein, lediglich deren Reste. Wer die Werke nur kurz mit den Augen streift, könnte tatsächlich annehmen, die Äpfel hätten nur kurz als Bildmotiv gedient, bevor sie in den Müll wanderten. Doch ergibt sich hier ein anderer Eindruck: Je länger die Bilder betrachtet werden, desto deutlicher wird, wie sorgfältig sie platziert wurden, wie beinahe schon klassisch die Auswahl des Motivs ist. Der Künstler demonstriert, dass er die unterschiedliche Stofflichkeiten von Schale, Fruchtfleisch, Stängel und Kerngehäuse abbilden kann. Bedeutender ist jedoch, dass der Apfel auf diese Weise Teil einer Handlung, einer Geschichte wird. Jeder Griebsch zeigt einzigartige „Gebrauchspuren“, die offenbaren, was einen Apfel ausmacht: er ist kein Objekt, dass gemalt, sondern ein Obst, das gegessen werden will!

Der 1965 in Kronach geborene Maler Cornelius Völker studierte von 1989 bis 1995 an der Kunstakademie Düsseldorf und war bis 1994 Meisterschüler bei Dieter Krieg. Neben der Malerei widmet er sich auch der Fotografie und dem Film. Seit 2005 hat Völker eine Professur für Malerei an der Kunstakademie Münster inne. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

In seinen Werken bildet er häufig einfache Alltagsgegenstände ab. Stellen die Banalität der Motive und die Farbwahl beim Betrachter schnell eine Verbindung zur Pop Art her, so erinnern der pastose Farbauftrag und sichtbare Pinselstrich an impressionistische Kunst und die Werke Alter Meister. Daneben enthalten Völkers Bilder häufig auch inhaltliche Anspielungen an große Vorbilder der Kunstgeschichte: Klassische Themen werden aufgegriffen und mit modernen Einflüssen vermengt, bis sie sich zwischen dem schmalen Grad von Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegen.

Ole Gerlach

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