Heribert C. Ottersbach – Selbstportrait im Wald

Heribert C. Ottersbach

Selbstportrait im Wald, HCO-0034/11, 2011

Selbstportrait im Wald, HCO-0033/11, 2011

Aus der Distanz betrachtet wirkt Heribert C. Ottersbachs Werk Selbstportrait im Wald wie das Landschaftsbild eines im Nebel verschwindenden Waldes. Unwillkürlich tritt man näher, um Details zu erkennen oder den im Titel angekündigten Künstler ausfindig zu machen – doch vergeblich. Bäume und Landschaft bleiben angedeutet, sind gerade nur soweit ausgeformt, dass der Verstand das Gesehene in etwas Bekanntes, Erwartetes verwandelt. Durch den monochromen Auftritt würden die Bäume wie abgestorben wirken, hätte Ottersbach nicht Wert darauf gelegt, das Blattwerk ebenfalls mit anzudeuten. Dennoch stellt sich bei dem Betrachter schnell das Gefühl ein, in eine beängstigend stille, unbelebte Welt einzutreten. Ihr surrealer Charakter lässt sie wie der Beginn eines Traumes erscheinen, in dem die Fantasie des Schauenden zwar durch den Künstler geleitet wird, aber genug Freiraum hat, um eigene Interpretationen zu finden.

Das Spiel mit dem Titel, die daran geknüpften Erwartungen des Betrachters und dem tatsächlichen Bild ist einer der Kunstgriffe, mit denen Ottersbach versucht, den Menschen zum Nachdenken anzuregen. Dabei erweitert er seine Malerei konsequent durch die Möglichkeiten moderner Medien. Häufig nimmt Ottersbach Fotos als Grundlage, die er mit Acryl übermalt. Aus einer einfachen Vorlage wird auf diese Weise ein eigenständiges Kunstwerk geschaffen und Fotografie in Malerei transformiert. Für den Künstler ist es wichtig Gedanken in Fragen zu verwandeln, statt plakative Aussagen zu treffen. Denn nur dadurch, dass er mit seiner Kunst keine vorgefertigten Antworten liefert, bleibt dem Betrachter der Raum eigene zu finden. Mit dieser klaren inhaltlichen Positionierung lehnt er gleichzeitig eine ausschließlich selbstbezogene Malerei ab, da sie seiner Ansicht nach schnell rein dekorativ werde.

Heribert C. Ottersbach wurde 1960 in Köln geboren und studierte dort von 1979 bis 1983 an der Fachhochschule und Universität Kunst, Germanistik und Philosophie. Er hatte mehrere Gastprofessuren und Lehraufträge inne, unter anderem eine Professur für Malerei und Graphik an der Hochschule für Grafik und Buchdruckkunst in Leipzig.

Ole Gerlach

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