Peter Krauskopf, Elbe, B 310213 und B 010609

Peter Krauskopf, Elbe, B 310213 und B 010609

Peter Krauskopf:

Elbe, B 310213, Öl/Leinen, 56cmx50cm, 2013

B010609, 2009, 70x80cm

Obwohl kein reales Abbild des Flusses zu erkennen ist, erzeugt der Titel, Elbe, intuitiv die innere Vorstellung einer Landschaftsdarstellung. Automatisch beginnt der Betrachter die Suche nach Bekanntem: Darstellungen von Elbtälern, Flussmündungen, vielleicht auch Hafenszenen. Doch nichts davon ist auf Peter Krauskopfs Werk genau auszumachen. Vielmehr schimmert es in einem diffusen rötlich-braunen Licht aus dem gräulich-blaue Strukturen und vereinzelte Farbflecken in grün oder gelb-orange hervorleuchten. Doch sind im Vordergrund nicht die Uferfelsen des Gewässers zu erkennen, die in einem gräulichen Nebelschleier verschwinden, der über dem Wasser hängt? Der rötlich-braune Farbverlauf wird zum warmen Licht einer auf- oder untergehenden Sonne, das sich mühsam durch den dichten Dunst hindurchkämpft. Erst jetzt fallen die feinen Abstufungen im Grau des Vordergrundes auf, die an das flussaufwärts strömende Wasser der Elbe erinnern. Wie ein radikaler Schnitt mutet dagegen der linke Rand des Bildes an. Er bricht aus der übrigen Szenerie heraus, ohne jedoch anachronistisch zu wirken. Wie sind seine fließenden Formen zu deuten? Sind es farbige Öltropfen, die auf dem Wasser schwimmen? Oder ist es eher eine aus der Vogelperspektive betrachtete Flusslandschaft? Diesen Gesichtspunkt eingeschlossen, ist das vertraute Gefühl zu erklären: In dem Bild findet ein Perspektivwechsel statt, der den Betrachter mit auf eine Reise nimmt und ihm dabei ein einmaliges Panorama bietet.

Auf eine „Reise“ ganz anderer Art wird der Betrachter in dem Bild B010609 geführt. Hier wächst eine gräuliche Fläche über einem dunklen Untergrund hervor. Einzelne Striche sind nicht deckend aufgetragen, sondern lassen das Werk impressionistisch wirken. Immer wieder treten Farbenmuster darunter liegender Schichten hervor. An den Randbereichen des Bildes geht das Grau fließend in ein Grün über, das besonders auf der rechten Bildseite kräftig strukturiert ist. Im unteren Bildteil rückt die sichtbar gelassene dunkle Untermalung das Grau in den Hintergrund. Wer weiß, dass Peter Krauskopf sich mit den Landschaftsdarstellungen des Barock und der Romantik auseinandersetzt, erkennt noch mehr: Das Grau wird zu einem dichten Nebelschleier, durch den die grünen Schemen einer üppigen Vegetation zu erkennen sind. Weiß blitzen aus dem Dunst die Reflexionen von Licht hervor, das durch die Wipfel der Bäume bricht und sich in einer Wasseroberfläche spiegelt. Auf der linken Bildseite findet sich dagegen in weiter Ferne das gegenseitige Ufer wieder, während im Vordergrund der dicht bewachsene Humus zum Nähertreten einlädt.

Der 1966 in Leipzig geborene Maler Peter Krauskopf erwarb 1995 sein Diplom für Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Anschließend war er Meisterschüler bei Arno Rink. Die mit der Wende gewonnene Freiheit nutzte Krauskopf dazu, in die USA zu reisen und sich mit der Richtung der Neuen Abstraktion, etwa mit Frank Stella zu beschäftigen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann der Maler jedoch seinen Stil weiterzuentwickeln und die gewonnenen Erfahrungen mit Einflüssen aus der deutschen Romantik zu verquicken. Krauskopf geht es nicht um eine fotorealistische Darstellung von Natur, sondern um das Einfangen eines Eindrucks bei deren Betrachtung und Erleben. Durch die Verbindung von Naturstimmung und monochromen Flächigkeiten erreicht Peter Krauskopf, dass seine Bilder zugleich Impression und Abstraktion sind.

Ole Gerlach